„Oma und Opa“ waren für meine Schwester Rixa und mich die Eltern unserer Mutter. Die Familie väterlicherseits war uns in großen Teilen unbekannt.

„Andere Oma“, wie wir die Mutter meines Vaters nannten, hieß Emilie Hulda Sommer und wurde am 9. September 1889 in Sachsen geboren. Sie war evangelisch und hat als Kindermädchen gearbeitet. Zu dem Namen Sommer fällt mir ein, dass mein Vater häufiger von seinem berühmten Onkel Sommer sprach, der Senator in Bremen gewesen ist. Nach ihm wurde eine Straße benannt: Die Emil–Sommer–Straße. Dazu schreibt mein Vater an einen Freund in Plattdeutsch:

Was mein Onkel war, der Senador, der konnte de Anten un Barsche in ’n Wallgraben von Amts wegen gut leiden. Jümmers in’n Harfst spazeerte er, Pralinee upp’n Kopp, mit ner Kolonne vom Gardenbauamt ton Wal. „Muß mal wieder reduzieren gehn“, sachte er zuhause mit Amtsmiene.

Kuckten da zwei Frauen zu bei Hillmann un frachten die Arbeiters: „Wo sün woll de annern Anten bleeben, in Sommer givt dat doch veel mehr up’n Stadtgraben?“ Anterte einer von die Arbeiters: „De fritt de Senat to Wiehnachten! Kann einen ja nix bei machen…“

 

Für diejenigen unter den Lesern, die kein Plattdeutsch verstehen, schreibe ich eine kurze Übersetzung: Mein Onkel, der Senator, konnte Enten und Barsche von Amts wegen gut leiden. Eines Tages im Herbst spazierte er mit einer Kolonne vom Gartenbauamt zum Wall. „Muss mal wieder reduzieren“, sagte er zu Hause mit Amtsmiene - .

Zwei Frauen schauten bei Hillmann zu und fragten die Arbeiter:“ Wo sind denn die Enten geblieben? Im Sommer gab es doch viel mehr im Stadtgraben?“ Einer der Arbeiter antwortete: „ Die frisst der Senator zu Weihnachten! Dagegen kann keiner was machen…“


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