Ein kleines rosa Ferkel mit Ringelschwanz ließen wir dagegen nur ungern frei. Leider fand es keine freie Zitze mehr an seiner Muttersau, die zu viele Ferkel geworfen hatte. Deshalb war es auch besonders klein und dünn und weckte unsere Fürsorge. Jeden Tag gingen wir zu Anne auf den Bauernhof, machten die Stalltür auf und das Ferkel trabte ganz alleine in die Küche. Am Anfang halfen wir ihm noch auf den richtigen Weg, doch Schweine sind sehr gelehrig, und so fand es schnell seine Babymilchflasche auf dem Küchenboden. Wir schauten begeistert zu, wie es die Milchflasche leerzuckelte, die auf einem Feudel lag. Da das Ferkelchen so schrecklich süß war und auch so schlau, dachten wir, dass wir unseren Eltern eine Freude machten, wenn wir es mit nach Hause nahmen. Wir setzten es in der Wohnung ab, ohne von jemandem bemerkt worden zu sein, spielten eine Weile mit dem Tier und gingen alsbald wieder nach draußen spielen, ohne weiter an das Schweinchen zu denken. Als unsere Mutter abends von der Arbeit kam, gab es einen Riesenkrach wegen der Schweinerei im Hause und das Ferkelchen musste natürlich zurück.

Auf der unbebauten Seite der Seewenjestraße wurden lange hochaufschießende Rüben angebaut. Diese verspeisten wir mit besonderem Vergnügen, indem wir mit den Zähnen die blaue harte Außenhaut entfernten, um an den wohlschmeckenden weißen Kern zu kommen. Wir fuhren zwischen klappernden leeren Milchkannen auf dem Treckeranhänger zum Melken auf die Weiden, rutschten und sprangen vom Heuboden in das frisch geerntete, noch nicht aufgestapelte Heu oder hielten in Milch getauchte Grashalme an die elektrischen Weidenzäune. In schwarzer Erde spielten wir besonders gern. Daraus wurden Kuchen geformt oder Straßen und Häuser angelegt. War die Erde zu trocken, pinkelten wir einfach hinein, und schon war sie gut zu formen. Sandkisten waren uns unbekannt.

 

 


Buchliste: Petra Gebhardt