Sonntags machten wir ab und zu einen Ausflug. Mit Fahrrädern fuhren wir nach Mittelsbüren an die Weser. Auf dem Deich, an einem Verkaufsstand kaufte mein Vater eine Tüte voller Kirschen. Die großen schwarzen Knackkirschen schmeckten herrlich, und obwohl es meine Lieblingsfrüchte waren, und mir mein Vater später zu jedem Geburtstag eine Tüte Kirschen schenkte, bekam ich meinen Spitznamen nicht nach ihnen, sondern Papa nannte mich ‚Bickbeerauge’, weil ich so schwarze Augen hatte. Meine Schwester nannte er ‚Pudelmaus’. Den Grund dafür weiß ich nicht. An der Weser gab es einen Strand, umgeben von Bäumen. Dort breiteten wir eine Decke aus. Rixa und ich liefen immer nackt herum, wenn es warm genug war. Wir planschten in den seichten Wellen und buddelten im Sand, während sich unsere Eltern sonnten. Nur wenn ein großer „Pott“ vorbei kam, gaben unsere Eltern verstärkt auf uns Acht, da das Schiff das Wasser mehrere Meter vom Ufer wegzog. Danach brandeten größere Wellen heran. Mit diesem Sog konnte man in die Mitte des Flusses gezogen werden. Auf dem Rückweg waren wir müde und schliefen in unseren Kinderfahrradsitzen, die aus Korb geflochten waren und am Lenkrad hingen, ein. Meine Mutter legte ihre Hände so auf das Lenkrad, dass unser Kopf darauf ruhen konnte. Meinem Vater aber war die ganze Angelegenheit zu gefährlich, und so hob er meine Schwester aus dem Korb, und stellte sie auf die Straße, wo sie wie ein nasser Mehlsack in sich zusammen sank. Das machte er solange, bis sie aufwachte und stehen blieb. Meine Mutter schimpfte über so viel Brutalität.


Buchliste: Petra Gebhardt