Von unserer Küche ging man einige Stufen abwärts auf einen großen Balkon, der die Ausmaße eines Zimmers hatte. Er war umrandet von einem Eisengeländer. Eine steile eiserne Treppe führte abwärts auf den Hof, in dessen Mitte ein großer Birnbaum stand. Unter dem Balkon lag die Waschküche und Toilette meiner Großeltern. Wäsche wurde alle vier Wochen gewaschen. In der Badewanne wurde ein Tag vorher die Wäsche eingeweicht. Am Waschtag wurde der große Bottich geheizt und die Weißwäsche gekocht. Alles war voller Dampf und roch nach Waschlauge, meine Mutter und Großmutter schwitzten in ihren Kittelschürzen, schrubbten auf Waschbrettern mit Kernseife Wäschestücke, spülten sie mehrmals wieder in der Badewanne aus, wrangen die Wäsche mit den Händen aus und hängten sie schließlich auf. Die Wäscheleine reichte vom Hof viele Meter lang bis in den Garten. Häufig, im Winter, hing an ihr steifgefrorene Bettwäsche. Das Wäschewaschen dauerte den ganzen Tag, an dem wir Kinder Oma und Mama lieber aus dem Weg gingen, und an dem es immer Pfannkuchen gab, weil keine Zeit zum langen Kochen da war. Wegen der großen Mühe des Waschens wurden wir dazu angehalten, uns nicht schmutzig zu machen. Wir trugen selbstgestrickte Pullover, Trainingshosen, eine Schürze und darüber häufig eine Strickjacke. Mama sagte: „Rixa, warum hast du dich wieder so schmutzig gemacht?“, und sie entwaffnete meine Mutter, indem sie ihr Zeug von innen nach außen wendete und entgegnete: „ Aber Mama, von innen bin ich doch ganz sauber!“

 

Vom Hof ging eine Treppe abwärts in den Keller. Dort war es muffig, feucht, dreckig und dunkel. An den Wänden standen Regale, auf dem sich das Eingemachte von Oma stapelte. Hier wurden auch die Kohlen und Briketts gelagert. Wir hatten eine Scheu in diesen Keller voller Spinnweben und der dazu gehörigen Tiere zu gehen. Auf dem Weg zum Gemüsegarten stand eine Maschine, die uns faszinierte. Es war ein eisernes, schweres, gezacktes Hackebeil, in dem Knochen und Eierschalen für die Hühner zerkleinert wurden. Bevor der gepflegte Gemüsegarten begann, kam man an der Jauchegrube vorbei. In ihr wurden die Abwässer des Hauses gesammelt. Sie war 50 Zentimeter hoch gemauert und mit Brettern bedeckt. Dort saßen wir oft, denn die Sonne schien hier warm. Gleich daneben war ein winziges Häuschen aus Stein gebaut, was früher der Hühnerstall gewesen war. Meine Schwester und ich holten uns die Erlaubnis, es als Spielhaus zu benutzen. Wir holten das Gerümpel heraus, machten alles sauber und richteten es wohnlich ein mit Apfelsinenkisten und Kinderstühlen. Wir spielten ‚Vater, Mutter und Kind’ mit unserer jüngeren Freundin Anne, die auf einem benachbarten Bauernhof lebte. Mit der Jauche aus der Grube wurde auch der Garten gedünkt. Vielleicht erkrankte ich deshalb an einem Bandwurm, der, daran erinnere ich mich noch gut, sich wie eine kleine Schlange in meinem Töpfchen ringelte, nachdem er ausgetrieben worden war.


Buchliste: Petra Gebhardt