Zum ersten Mal gab es Strumpfhosen. Welch’ freiheitliche Revolution für uns! Nun mussten wir keine Leibchen mit langen Strumpfhaltern mehr tragen oder, da wir uns in den Dingern wie aufgehängt vorkamen, im Winter mit Kniestrümpfen durch den Schnee stapfen.

Sonntags liefen wir nur mit gestrickten Strumpfhosen und einem Pullover herum. Das war ein Wohlfühlerlebnis! Mama nahm eine Untermieterin auf. Mit ihr verband uns eine herzliche Freundschaft. Manchmal kam Papa am Wochenende nach Hause, und einmal besuchten wir ihn mit dem Zug im Sauerland. Er wohnte in einem großen schäbigen Zimmer mit Holzfußboden. Wir begleiteten ihn in die Druckerei und turnten auf den riesigen weißen Papierrollen herum. Es machte Spaß auf den unbedruckten Zeitungspapierwalzen durch die Druckerei zu rollen als wären wir im Zirkus. Papa zeigte uns die Setzkästen, mit deren Hilfe der Setzer mit schwarzen Fingern Worte und Sätze spiegelverkehrt aus einzelnen Buchstaben zusammenstellen musste. Rixa und ich gingen auf einen Spielplatz, wo wir die Kinder nicht verstehen konnten, da sie einen komischen Dialekt sprachen. Sie sagten dauernd ‚gell’, und wir beide machten uns darüber lustig und fühlten uns überlegen, da wir Hochdeutsch sprachen, wie wir meinten. In Wirklichkeit redeten wir auch mit einigen bremischen Wortgebilden. Wir sagten zum Beispiel hinter jeden Satz ‚näch’. Außerdem benutzen wir so schöne Worte wie: dramsen (drängeln), Gedöns (Umständlichkeit), tüdelig (verwirrt), umzu (herum), peesen (schnell laufen oder fahren), drömeln (herumtrödeln) und kleen (beschmutzen).


Buchliste: Petra Gebhardt