Die Großeltern hatten ein Wochenendhaus am Silbersee gekauft, das zwischen Bremen und Bremerhaven lag, in der Nähe von Bederkesa. Dort verbrachten wir die kleinen Ferien und freien Tage. Ich war damals 14 Jahre alt, begann Tagebuch zu schreiben und fand nichts interessanter als das Liebesleben. Kurz zuvor hatten Rixa und ich tagelang mit Lego gespielt, indem wir aus Häusern Städte bauten und dies alles auf einer Tafel drapierten. Hinzu kamen Bäume, kleine Autos und Gummipuppen, mit denen wir Alltagsleben und dramatische Situationen spielten. Zwei Dinge ärgerten uns. Einmal, dass unsere Puppe ein liegendes Baby war, was natürlich nicht richtig laufen konnte und zum zweiten, dass die Legodächer ständig einbrachen. Es gab noch keine speziellen Dachsteine. Die Tafel mit den Häusern und aufgemalten Straßen stellten wir abends weg, und spielten am nächsten Tag die Geschichte weiter bis sie uns langweilte. Seit einiger Zeit aber begann Rixa, alle Szenen zu veralbern. Das machte mich wütend, und ich konnte nicht verstehen, warum wir nicht mehr zusammen spielen konnten. Ich vergaß, dass sie zehn Monate älter ist als ich. Eine andere Szene, die wir mit Begeisterung spielten, bestand darin, unsere Puppen zu baden und zu salben und dann entdeckten wir eine Krankheit und das Puppenbaby musste zum Arzt. Dort wurde es geröntgt. Dazu steckten wir es in Mamas Wäschetrommel, schlossen die Badezimmertür und machten ganz schnell das Licht an und aus. Das erweckte den Eindruck von Blitzen. So stellten wir uns Röntgen vor. Bei den Puppenspielen waren wir manchmal ganz schön rabiat. Die armen Kleinen wurden geschlagen oder mit dem Puppenwagen umgestoßen, damit etwas Spannung in das Spiel kam, und wir sie hinterher umso mehr Liebhalten konnten.

Unser Fernsehkonsum beschränkte sich auf die Filme Lassie und Fury. Beide Filme begannen immer so nett mit friedlichen Familienszenen, aber im weiteren Verlauf schlug die Stimmung um. Der Held geriet in Not, Lassie oder Fury eilten zur Rettung herbei, und die Spannung steigerte sich. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hielt es Rixa und mich nicht mehr auf unseren Sitzen, wir hüpften hinter das Sofa, hielten uns die Ohren zu, kniffen die Augen zusammen und fragten Mama alle paar Augenblicke: „Ist es vorbei? Ist jetzt alles wieder gut?“ Zum Happy End, wenn ein Witz gemacht wurde und alle Schauspieler lachten und in die Kamera grinsten, kamen wir wieder hervor.

 

 

Diese Spiele waren nun alle vorbei, denn nun interessierten uns nur noch unsere Freundinnen und das andere Geschlecht.  


Buchliste: Petra Gebhardt