Rixa, Uwe und Klaus waren mit ihrem Abitur beschäftigt, und ich blieb sitzen. Das feierten wir vier mit Galgenhumor im Ratskeller.

Nach der Schule fuhren wir auf unseren Fahrrädern zum nahen Marktplatz, setzten uns auf die Treppe des Doms und warteten darauf, ob heute ein dreißigjähriger unverheirateter Mann die Domstufen fegen musste. Als nichts geschah, überquerten wir den Marktplatz, schlossen unsere Räder vor dem wunderschönen reichverzierte Gebäude „Schütting“ ab, der seit dem Mittelalter das Haus der Kaufmannschaft ist, sagten dem Roland an seinen spitzen Knien guten Tag, suchten wieder mal vergeblich nach der Henne mitsamt ihren Küken unter den Torbögen des Rathauses und stiegen die Stufen zum Ratskeller hinab, wo uns das weindunstige Odeur empfing, das in diesem Gewölbe waberte. Die schweren Holztische und Bänke, die voluminösen Fässer im Hintergrund, die alkoholgeschwängerte Luft und die Dämmerigkeit brachten uns gleich in eine gehobenere Stimmung, bevor wir unseren ersten Schoppen Wein bestellt hatten. Nach einem Glas Müller-Thurgau kicherten Rixa und ich bei jedem Satz, bei jeder Bemerkung der Jungen, alles fanden wir sehr komisch und lustig und beherrschten uns nur, als der soignierte Kellner im schwarzen Frack nach unseren weiteren Wünschen fragte. Als er sich entfernt hatte, prusteten wir gleich wieder los. Jede halbe Stunde baten wir unsere Freunde um einige Groschen für die Toilette. Nach dem zweiten Glas Wein konnten wir nicht mehr im Gleichgewicht gehen, die Jungen zahlten und beschwerten sich, dass unsere Toilettengänge teurer gewesen seinen als der Wein. Die beiden hakten uns unter, führten uns an den Bremer Stadtmusikanten vorbei und bugsierten uns in eine Straßenbahn, denn auf ein Fahrrad konnte man uns nicht mehr setzen. Klaus und Uwe mussten unsere Räder mit einer Hand nach Hause balancieren, während sie selber auf ihren eigenen Fahrrädern kräftig in die Pedale traten. Die Eltern sagten nicht viel zu dem ganzen Geschehen, aber ich kam leider in eine neue Klasse, in der es mir gar nicht gefiel.


Buchliste: Petra Gebhardt