Oma und Opa waren nach ihrer Pensionierung nach Hollen in ihr früheres Wochenendhaus gezogen.

 In mühevoller Wochenendarbeit hatten sie unter Mithilfe von Mama und Papa, Rixa und mir und sogar von Uwe und Klaus das baufällige Gemäuer restauriert. Wir wurden dazu verdonnert, Ziegelsteine mit Hammer und Meißel zu säubern, damit sie wiederverwendet werden konnten. Die Jungen buddelten Gräben für die Wasserleitung oder wir pflanzten zusammen Bäume ein, wobei uns Opa zeigte, wie alles richtig zu machen sei. Nach getaner Arbeit zogen Klaus und ich in die freie Natur, wovon es in Hollen reichlich gab. Geschützt vor fremden Blicken konnten wir hinter Büschen, auf Wiesen oder unter einem Hochsitz ungehemmt zärtlich miteinander sein und kamen frohgemut zum Abendbrot zurück, bei dem Anja mal wieder den überzähligen Pudding erhielt, weil sie ja die Jüngste sei, obwohl Rixa und ich auch großen Appetit darauf angemeldet hatten.

 

Klaus und ich träumten von unserer Zukunft. Wir wollten ein Schloss und vier Söhne haben, beschlossen aber, vorerst nach Berlin zu gehen, wo Klaus studieren wollte und ich überlegte, ob ich eine Ausbildung zur Krankengymnastin anfangen oder lieber Stewardess bei der Lufthansa werden sollte. Erst mal machte ich Kurse beim Roten Kreuz in einer alten Villa an der Weser, wo man nach einer Praktikantenzeit im Krankenhaus Schwesternhelferin werden konnte. Während ich auf Station Bettpfannen leerte, Patienten wusch, Essen austeilte und Betten machte, wurde mir mehrmals übel, und ich musste mich übergeben. Klaus sprach mit seinem Vater, der einen Termin beim Frauenarzt vereinbarte. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich schwanger sei. Vor der Praxistür auf der Straße wartete Klaus auf mich. Ich erzählte ihm, dass mit unserer Verhütung etwas schief gegangen sei, dass ich die Zeit, in der wir hätten aufpassen müssen, offensichtlich falsch bestimmt hatte, da ich Hormonpillen, die Rixa vom Arzt verschrieben bekommen hatte und nicht nehmen wollte, selber ein paar Mal probiert hätte, damit mein Busen etwas größer würde. Mein Busen war nun schon gewachsen, aber nicht von den Pillen. Klaus reagierte wie ein Mann, der weiß, was er will, besonders, wenn man bedenkt, dass er gerade 19 Jahre alt geworden war: „Wollen wir nicht heiraten?“ sagte er auf dem Fußweg, stand vor mir und sah mich an. Erleichtert sagte ich ja. Bei ihm fühlte ich mich geborgen und wohl, wir hatten ähnliche Ziele, Wertvorstellungen und Lebensstile. Er war mein Geliebter, Vertrauter, bester Freund und Berater. Sein Vater hatte angeboten, die Organisation und Kosten für eine Abtreibung zu übernehmen, war aber dann auch mit unserer Entscheidung einverstanden. 


Buchliste: Petra Gebhardt