Auf einer Gewerkschaftsversammlung tippte mich einer auf die Schulter und sagte: ich bin Gustav, wie heißt du? Dieser Gustav wurde der Vater meiner drei Töchter, wie heirateten Silvester 1948 und zogen in das neue Haus, das wir buchstäblich mit unserer Hände Arbeit aufgebaut hatten.

Die Steine haben wir aus dem Trümmern geborgen, geputzt und mit dem Fahrrad zur Baustelle geschleppt. Zement, Kalk und Sand gab es nur auf Bezugsschein. Mein Vater und ich haben diese schwere Arbeit zeitlebens mit großen Rückenproblemen bezahlt. Aber wir hatten wieder ein Zuhause. Am 15. August 1948 war die erste Wahl im Nachkriegsdeutschland.
Gustav war auch als war Berichterstatter in der Nacht tätig als meine Wehen einsetzten. Meine Eltern mochte ich nicht wecken, daher bin ich immer am Zaun entlang bis zur Heerstraße gegangen. Dort war bereits ein Bäcker tätig, der einem Telefon hatte und einen Krankenwagen rufen konnte. Ich bin dann in einem schrecklichen Krankenhaus gelandet, die sich hauptsächlich für meine Religionzugehörigkeit interessierten.
"Dissidenten" kannten sie nicht. Die Geburt war furchtbar. Meine Tochter wurde schließlich mit der Zange geholt und erlitt dabei einen Halsmuskelriss. Sie musste dann in einen Gipsbettchen schlafen, bis sie wie eine Schildkröte damit durch das Zimmer krabbelte. Aber sie ist bis heute eine gute gelenkige Turnerin.
In zehn Monate später kam meine zweite Tochter zur Welt. Problemlos. Ich las gerade das Buch von August Bebel „Die Frau und der Sozialismus“. Was mit den Ärzten eine heftige Diskussion im Krankenzimmer auslösten.
Wieder zu Hause! Ich war fix und fertig. Zwei kleine Kinder, die mit Zitronenmilch ernährt werden mussten (ich konnte nicht stillen) hohe Temperaturen, kein Kühlschrank, keine Windeln. Heute ist das unvorstellbar.
Und ich war ans Haus gebunden, konnte nichts entscheiden. Die Frau mussten damals noch die Einwilligung der Männer einholen, wenn Sie ein Konto bei der Bank haben wollten usw..
Gustav kaufte beispielsweise Möbel, Klamotten, Unterwäsche (wozu ich Igitt sagte) und nicht leiden mochte. Ohne mich!  Ich musste es hinnehmen. Und das Geld war knapp. Er verdiente gerade 125 Reichsmark die Miete betrug 25 Reichsmark.
Den Frauen fehlte die Freiheit, selbst entscheiden zu können.